25 Jahre Mauerfall

Glaube, der frei macht

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Am 9. November 1989 öffnete die DDR überraschend die Grenzen. 40 Jahre lang war Deutschland geteilt, nun können sich Brüder, Nachbarn und Verwandte wieder in die Augen schauen. Die Freude der Menschen in Ost- und Westdeutschland ist unbeschreiblich. Man spürt, nun wird es einen Neuanfang geben.

Auch wenn die Wiedervereinigung Deutschlands erst ein Jahr später erfolgt, ist der Fall der Berliner Mauer bis heute das Sinnbild für das Ende der Teilung Deutschlands. Doch wie kam es 1961 zum Bau dieser Mauer? Und wie haben die DDR-Bürger das Leben hinter Stacheldraht erlebt?

Das multimediale Projekt „25 Jahre Mauerfall – Glaube, der frei macht“ spannt den historischen Bogen vom Mauerbau über die Friedensbewegung bis hin zur Gegenwart und fokussiert sich dabei auf die Fragen: Wie haben Christen ihren Glauben im atheistischen und totalitären DDR-Staat gelebt? Welche Rolle spielten ihre Initiative und ihr Mut beim Mauerfall 1989? Und was nehmen sie aus dieser Zeit mit?

Dazu haben wir Zeitzeugen wie die ehemalige SED-Parteifunktionärin Karin Bulland, den jüngsten Staatsgefangenen Rainer Wagner und die Pfarrer Christian Führer und Theo Lehmann ihre ganz eigene Geschichte mit der DDR erzählen lassen. Anhand ihrer persönlichen Erfahrungen zeichnen wir nach, mit welchen Gefahren und Einschränkungen das Leben im totalitären Regime besonders für Christen verbunden war. Interviews in Ton und Bild sowie Zeitdokumente und Fotos lassen die bewegte Geschichte der Christen in der DDR lebendig werden.

25 Jahre Mauerffall Collage

Mauerbau



Ein Land wird zerteilt

Das durch den Krieg gebeutelte Land wird im August 1961 durch den beginnenden Mauerbau endgültig zerteilt.

Eigentlich will Günter Neumann im August 1961 nur mit zwei anderen jungen Männern zu einer christlichen Freizeit im Berliner Raum. Doch an einer Kontrollstelle beim Berliner Ring werden sie aufgegriffen und ohne Nennung eines Grundes verhaftet. Vorgeworfen wird ihnen, dass sie in den Westen abhauen wollten. Nach sieben Stunden werden sie befragt, nach neun Stunden – mitten in der Nacht – dürfen sie endlich wieder fahren.

  • Foto Günter Neumann

Erst am nächsten Morgen wird ihnen klar, warum sie von der Polizei aufgegriffen und festgehalten wurden. Quer durch die Stadt wurde eine Mauer gebaut. Sie sind nicht die einzigen, die von der Polizei festgenommen wurden: „Unsere Freizeit sollte mit 28 Jugendlichen stattfinden, davon waren 12 angekommen. Die anderen wurden alle bereits auf den Bahnhöfen abgewiesen oder haben anderweitig keine Möglichkeit bekommen, zur Freizeit zu fahren“, erinnert sich Günter Neumann noch genau. Mut, sich den Mauerbau mit eigenen Augen anzuschauen, hatte er jedoch nicht, zu tief saß noch der Schreck der Verhaftung.

Der Bau der Mauer hatte sich abgezeichnet

Der Bau der Mauer war ein Resultat der politischen Entwicklung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Deutschland wurde von den Siegermächten in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Gleiches galt für die ehemalige Reichshauptstadt Berlin. Im Sommer 1945 wurden die sog. „Zonengrenzen“ gezogen. Teilweise wurden Grenzbäume errichtet, schon damals markierten Holzpfeiler die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland. Um die Zonengrenzen zu überschreiten, war eine Genehmigung notwendig. Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik im Jahr 1949 war Deutschland ein geteiltes Land.

  • Stacheldrahtzaun, 13.08.1961. Fotograf: Michael-Reiner Ernst, Stiftung
                Berliner Mauer.
  • Menschen an der Mauer in Kreuzberg, ca. August 1962. Fotograf:
                Michael-Reiner Ernst, Stiftung Berliner Mauer.
  • Soldaten an der Mauer in Kreuzberg, ca. August 1962. Fotograf:
                Michael-Reiner Ernst, Stiftung Berliner Mauer.
  • Soldat an der Mauer in Kreuzberg, ca. August 1962. Fotograf:
                Michael-Reiner Ernst, Stiftung Berliner Mauer.
  • Menschen an der Grenze in Kreuzberg, ca. August 1962. Fotograf:
                Michael-Reiner Ernst, Stiftung Berliner Mauer.
  • Mauer in der Bernauer Straße, ca. 1961. Fotograf: Gerhard Ringwelski,
                Stiftung Berliner Mauer.
  • „Es gibt nur EIN Berlin!“, ca. 1961. Fotograf: Gerhard Ringwelski,
                Stiftung Berliner Mauer.
  • Menschen an der Grenze, 13.08.1961. Fotograf: Leo Sepold, Stiftung
                Berliner Mauer.

Schon damals flohen viele Bürger unter teilweise lebensbedrohlichen Umständen aus der neu gegründeten DDR in den Westen. Die DDR-Führung reagierte 1952 darauf, indem sie in Berlin die deutsch-deutsche Grenze mit Zäunen, Bewachung und Alarmvorrichtungen sicherte. Im Rest des Landes entstand eine fünf Kilometer breite Sperrzone um die Grenze, die nur mit spezieller Genehmigung betreten werden durfte. Diese „Grenze“ war aber noch sehr durchlässig, so dass zwischen 1945 und 1961 schätzungsweise 3,5 Millionen Menschen aus der sowjetischen Besatzungszone, der DDR und Ost-Berlin flohen.

Am 13. August 1961 beginnt die Zerteilung des Landes

Die Republikflucht war der DDR-Staatsführung zunehmend ein Dorn im Auge, da besonders Fachkräfte in den Westen flohen. Der Mangel an Arbeitskräften war so extrem, dass die Existenz der DDR gefährdet war. Walter Ulbricht, Vorsitzender des Staatsrats der DDR, sah sich zum Handeln genötigt. Für Ulbricht gab es nur zwei Optionen: Entweder die vollständige Kontrolle aller Zugangswege nach Berlin oder der Mauerbau. Die sofortige Grenzschließung wurde im Einvernehmen mit UdSSR-Regierungschef Chruschtschow beschlossen.

Am 13 August 1961 – um 1:00 Uhr nachts – ging dann am Brandenburger Tor das Licht aus. Mitarbeiter der Polizei und Kampfgruppen sicherten die Zonengrenze. Im DDR-Rundfunk wurde gemeldet, dass eine „Ordnung“ eingeführt würde, die eine „verlässliche Bewachung und Kontrolle“ sicherstellt. In nur wenigen Stunden wurde die Grenze per Stacheldraht gesichert. In den folgenden Wochen und Monaten wurde die Berliner Mauer gebaut – Vorbild auch für den Rest der Staatsgrenze nach Deutschland.

Nicht nur Günter Neumann erinnert sich an die Tage des Mauerbaus. Auch der bekannte ostdeutsche Pfarrer Dr. Theo Lehmann hatte sich nur zwei Tage vor dem Mauerbau in Westberlin aufgehalten. Er erinnert sich:

„Da habe ich mir eine Uhr gekauft. Das weiß ich noch genau wie heute. Da bin ich mit meiner Frau dort gewesen. Da haben wir noch gesagt: „Wenn wir dort gewesen wären, und wären zwei Tage eher oder später gekommen, dann wären wir abgeschnitten gewesen.“ Bis man das endgültig kapiert hatte, was das eigentlich bedeutet, das hat ja eine Weile gedauert. Es wurde also immer deutlicher: Wir sind hoffnungslos eingegrenzt. Und das war eben sichtbar durch die Mauer.“

Pfarrer Theo Lehmann übt versteckt harsche Kritik

Vom Bau der Mauer erfährt Lehmann aus der DDR-Sendung „Der Schwarze Kanal“. Er erinnert sich noch genau an die Worte des Chefkommentators Karl-Eduard von Schnitzler, die am 13. August in einer Sonderausgabe ausgestrahlt wurden. In der Sendung bezeichnete von Schnitzler den Ostexperten Wolfgang Leonhardt als „hergelaufener Lump“, Bundeskanzler Adenauer und Willy Brandt zeichneten sich nach Ansicht des Agitatoren durch „Hilflosigkeit und Bankrott“ aus. Überdies sei jeder, der die friedenssichernden Schutzmaßnahmen der DDR kritisiere, an einem Krieg interessiert.

Am folgenden Tag will und muss Theo Lehmann seinem Unmut Luft machen und schreibt einem Freund eine Postkarte. Das ist nicht ungefährlich, denn das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) überwacht Oppositionelle und Regimekritiker wie Theo Lehmann intensiv. Um sich nicht strafbar zu machen, verwendet er Anspielungen, die man laut Lehmann „heute gar nicht mehr verstehen würde. Ich habe ihm über die große Mausefalle von Paris geschrieben. Das war damals ein Schlager. Mit der Mausefalle habe ich natürlich die Mauer mitten in der Stadt gemeint. Und dann habe ich über diesen Sänger mit dem krächzenden Ton und der Kastratenstimme geschrieben – damit war Walter Ulbricht gemeint. Mein Freund aus Berlin wusste natürlich genau, wovon ich rede. Wenn aber der Stasi klar geworden wäre, was damit gemeint war – das wäre ja unmöglich gewesen. Aber so hat man eben versucht, ein wenig Dampf abzulassen und sich untereinander zu verständigen“, erzählt er heute.

Die Mauer grenzt Denken und Handeln ein

Auch wenn er die Mauer zuerst nicht mit eigenen Augen sieht, ist Günter Neumann klar, dass die Mauer mehr als eine äußere Grenze darstellt. Ihm wird dadurch auch stärker bewusst, wie sehr er als DDR-Bürger in seinem Reden und Handeln eingeschränkt ist. „Ich habe für mich registriert, dass man sich immer mehr eingegrenzt fühlte. Eingegrenzt nicht nur durch die Grenze, sondern eingegrenzt durch das, was politisch im Alltag an Einschränkungen da war. Man merkte, man kann nicht alles sagen. Man muss Dinge mitmachen oder hat Nachteile. Man wurde mehr genötigt Dinge zu sagen und mitzumachen, die man eigentlich nicht will“, beschreibt er seine damaligen Gefühle im Rückblick.

Günter Neumann

Jahre später sieht Neumann die Mauer doch noch von Nahem. Denn in seiner Funktion als Prediger erhält er einen Passierschein, mit dem er im Grenzgebiet Gottesdienste und Bibelstunden halten darf. Günter Neumann erinnert sich:

„Das Erste, was ja natürlich war, war der Kontrollpunkt, wo man den Passierschein vorzeigen musste und dann erst weiter konnte. Bis da kam ein normaler DDR-Bürger ja gar nicht. Und dann kam man zum Beispiel in den Ort rein und dann konnte man in bestimmter Entfernung jetzt erkennen: „Aha, da sind die Grenzanlagen.“ Und die dort wohnten, die haben natürlich einem das ein Stück erklärt. Direkt ran konnte man natürlich nicht. […] Für uns war das dann wie gesagt auch tabu näher ranzukommen. Ich denke mal unter 500 Meter kam man gar nicht ran.“

Wer es dennoch wagte, das Grenzgebiet zu betreten, musste mit schweren Konsequenzen rechnen. Mit Republikflüchtlingen kannte der Staat keine Gnade. So bildete die Mauer fast 30 Jahre das sichtbare Zeichen für die Teilung Deutschlands in zwei Staaten.

Überwachungsstaat

Bespitzelt, verraten, weggesperrt
Unrechtsstaat DDR

„Die Revolution frisst ihre Kinder.“ Das trifft auch auf die DDR zu. Die propagierte Gleichheit aller Bürger führt zu Ungerechtigkeiten, Bespitzelung und Haft.

Die DDR als System schränkte ihre Bürger durch den Bau der Mauer nicht nur in ihrer Reisefreiheit ein, sondern auch in ihrem Denken und Handeln. Denn für kritische Nachfragen oder freies Denken war im politisch-ideologischen System der DDR kein Platz. Eines der wichtigsten Ziele der DDR-Ideologie war es, die Bürger zu staatstreuen Kommunisten zu erziehen. Bürger, die den politischen Maximen des Sozialismus kritisch gegenüberstanden, wurden als Systemfeinde angesehen. Literatur, Filme und Personen, die nicht systemkonform waren, wurden als „staatszersetzend“ oder „konterrevolutionär“ eingestuft.

Indirekt wurde damit der Gesellschaft vermittelt, dass diese Menschen und ihr Handeln dem sozialistischen System direkt Schaden zufügen und damit letztlich auch allen Bürgern der DDR. Besonders Christen und Intellektuelle gerieten in Konflikt mit dem Staat. Christen galten als verdächtig, weil sie sich aufgrund ihres Glaubens einer höheren Instanz als dem Staat verpflichtet fühlten und die Maxime des Atheismus nicht teilten. Intellektuelle wurden zum Problem, wenn sie die Staatsideologie hinterfragten oder die falschen Fragen stellten.

Um solches „staatszersetzendes“ Verhalten zu unterbinden, bediente sich die DDR-Führung verschiedener Maßnahmen. Diese unterschieden sich in ihrer Härte, hatten aber ein gemeinsames Ziel: Einerseits sollten die „staatszersetzenden“ Personen wieder auf Linie gebracht oder zumindest daran gehindert werden, weiter Kritik zu üben; andererseits fungierten diese Maßnahmen auch als Drohung für andere und sollten Kritik am Staat bereits im Keim ersticken. Die Härte der Strafe war je nach „Vergehen“ unterschiedlich gestaffelt: Es begann damit, dass nicht „staatskonformen“ Schülern das Abitur oder das Studium verwehrt wurde. Wer sich mehrfach kritisch über das System äußerte, wurde bespitzelt. Bei schwereren Vergehen wie Republikflucht drohte der Knast. Für die Durchsetzung solcher „Erziehungsmaßnahmen“ wurde 1950 das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) gegründet, dessen alleinige Aufgabe die Überwachung, Einschüchterung und Zersetzung von Oppositionellen und Regimekritiker war.

Mit Zuckertüten locken, mit Berufsverbot bestrafen

  • Zwei Schüler in Jungpionier-Uniform, mit Friedenstaube,
                    Blumen und Winkelementen

Die Einteilung der Bürger in „staatskonform“ und „staatszersetzend“ begann schon in der Schule. Bereits am ersten Schultag wurden die Kinder aufgefordert, sich der Organisation der Jungpioniere anzuschließen. Ziel dieser Organisation, die in einigen Bereichen einer Jungschar oder Pfadfindergruppe ähnelte, war, die Kinder zu staatstreuen Bürgern zu erziehen. Wie in der Hitlerjugend des Nationalsozialismus versuchte man durch die Jungpioniere und die FDJ (Freie deutsche Jugend), junge Menschen für das System der DDR zu begeistern.

Eines der Gebote der Jungpioniere macht dies besonders deutlich. Dort heißt es: „Wir Jungpioniere lieben unsere Deutsche Demokratische Republik.“

  • Caritas Führer erwachsen

Die Pfarrertochter Caritas Führer, selbst kein Mitglied bei den Jungpionieren, erinnert sich noch gut daran, wie die Organisation schon früh versuchte, erzieherisch in das Leben der Schüler einzugreifen: „Die Pioniere wurden auch geführt unter dem Titel „Die jüngsten Helfer der Partei“. Das sagt eigentlich schon, wo das hingehen sollte. Die Kinder sollten erzogen werden zu sozialistischen Patrioten. Und das ging in der ersten Klasse schon los. Mit der Zuckertüten bekam man schon die Anmeldung zu den Jungpionieren.“

  • Karin Bulland - Schulanfang
  • Karin Bulland - Sport 1972
  • Karin Bulland - Sport 1972
  • Karin Bulland - mit 18 Jahren (1975)
  • Karin Bulland - mit 20 Jahren
  • Karin Bulland - heute

Bei Karin Bulland ging diese Rechnung auf. Die ehemalige Leistungssportlerin war lange Jahre Mitarbeiterin beim Rat des Kreises in Altenburg und bis nach der Wende von der sozialistischen Idee überzeugt. Sie schildert, wie es dazu kam: „Ich habe das von Kind an so gelernt. Die Partei war dafür zuständig, dass ich zu essen hatte. Und ich hatte zu essen. Ich habe nach dem Krieg nicht frieren brauchen, dank der Partei. Ich konnte zur Schule gehen, das hat nichts gekostet – dank der Partei. Ich konnte lernen und studieren. Ich konnte zwei Musikinstrumente spielen lernen, ich konnte Sport treiben. Und wir waren eine arme Arbeiterfamilie.“

„Als Christ konnte man im Gesamtverhalten keine Eins bekommen“

  • Caritas Führer als Kind

Doch Schüler, deren Eltern dem Beitritt zu den Jungpionieren nicht zustimmten, erlebten eine andere Seite des DDR-Regimes. Im Gegensatz zu den Schülern mit Jungpionierhalstuch wurden sie massiv benachteiligt. Denn die Ehrung der Klassenbesten in der sogenannten „Straße der Besten“ wurde nur an Jungpioniere verliehen. Caritas Führer erinnert sich:

„Da hingen ausschließlich Fotos von Kindern mit Pionierhalstuch. Das war eben das Groteske. Es konnte sein, dass man als Christ die besten Zensuren hatte, trotzdem wurde man aber nicht als bester Schüler behandelt. Der beste Schüler war dann der Nächstbeste, der in der Pionierorganisation war. Ich habe es als Kind als große Kränkung empfunden, dass ich nie an dieser Tafel hing, auch keiner meiner Geschwister oder Freunde aus dem christlichen Umfeld. Das empfand ich als eine starke Demütigung.“

Auch die allgemeine Notenvergabe empfindet das junge Mädchen als ungerecht, denn hinter manchen Noten ‒ etwa der Note „Gesamtverhalten“ ‒ verbirgt sich die Bewertung der eigenen Positionierung zum Staat. Caritas Führer erzählt: „Man hatte als Christ eigentlich keine Chance im Gesamtverhalten eine Eins zu bekommen, weil damit bewertet wurde, wie man zum Staat und zur sozialistischen Gesellschaft steht; wie aktiv man bei den Jungpionieren oder der FDJ ist, ob man Jugendweihe gemacht hat oder machen will. Das alles versammelte sich unter dem Begriff Gesamtverhalten.“

„Diese Klasse ist schon mit Arbeiter- und Bauernkindern besetzt“

Caritas Führer

„Ich betrat das Klassenzimmer und mein Blick fiel auf einen Zeitungsartikel, den die siebte Klasse dort angeheftet hat, wo es drum ging, dass Christen und überhaupt alle in der DDR nach ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten lernen und arbeiten dürfen, dass alle die gleichen Chancen haben. Und dass also jeder in unserem Staat gefördert wird entsprechend seinen Leistungen. Und ich hab das gelesen und in mir ist so eine Wut und Empörung aufgestiegen, weil ich wusste, das ist Lüge. Meine Schwester war gerade mit einem Durchschnitt von 1,0 abgelehnt von dem Besuch der erweiterten Oberstufe. […]Und als ich das las, habe ich laut in unsere Klasse gesagt: „Das ist Lüge, das stimmt nicht.“ Und dann habe ich ohne zu überlegen den Artikel abgerissen.“

Doch damit nicht genug. Jugendliche, die keine Jugendweihe machten und nicht bei der FDJ waren, hatten auch schlechte Karten, Abitur zu machen oder zu studieren. Auch das erfährt Caritas Führer am eigenen Leib. Als Schulkind erlebt sie mit, wie ihrer älteren Schwester trotz eines Notendurchschnitts von 1,0 der Besuch der Oberstufe verweigert wird. Die offensichtliche Chancenungleichheit macht ihr schon in diesem Alter sehr zu schaffen. Als sie mit der propagierten Chancengleichheit in der DDR konfrontiert wird, platzt dem jungen Mädchen der Kragen:

  • Jugendweihe, Mecklenburg-Vorpommern

Nach diesem Ereignis wird das junge Mädchen von der Stasi befragt. Jahre später wird auch sie selbst – wie ihre Schwester ‒ nicht zur Oberstufe zugelassen. Eine Begründung dafür wurde den Betroffenen oft nicht gegeben, weiß Caritas Führer zu berichten: „Es wurde nicht immer schriftlich begründet. Wer eine schriftliche Begründung nach der friedlichen Revolution aufweisen konnte, hatte Glück, weil er damit eine Rehabilitation beantragen konnte. Im Fall meiner Schwester hieß es nur lapidar: ‚Diese Klasse ist schon besetzt mit Arbeiter- und Bauernkindern, es gibt keine weiteren Plätze mehr.‘ Oftmals gab es überhaupt keine Begründung, sondern es wurde oberflächlich gesagt: ‚Diese Schülerin entspricht nicht den gesellschaftlichen Anforderungen.‘"

Statt Chancengleichheit Ungleichheitbehandlung

Caritas Führer und ihre Schwester sind nicht die einzigen, denen so ein höherer Abschluss verwehrt wird. Auch Günter Neumann muss die Schule bereits nach der achten Klasse verlassen, da er weder die Jugendweihe gemacht hat, noch Mitglied der FDJ ist. Er erinnert sich heute noch gut an die Worte, die er damals von seinen Lehrern zu hören bekam: „Mir wurde damals gesagt, dass man bis zur achten Klasse nur Kenntnisse im Marxismus-Leninismus erwartet, aber darüber hinaus Bekenntnisse.“ Wie vielen jungen Menschen ein Studium verwehrt blieb, weil sie sich nicht systemkonform verhielten, lässt sich rückblickend kaum sagen. Dennoch lässt sich an diesen Beispielen ablesen, wie der Staat die Lebensträume vieler junger Menschen schon im Keim erstickte.

Derlei Ungerechtigkeiten blieben auch vielen systemtreuen Menschen wie Karin Bulland nicht verborgen. In ihrer beruflichen Tätigkeit für das Gesundheits- und Sozialwesen des Landkreises Altenburg wird sie immer wieder auf Ungleichbehandlungen aufmerksam, die bei ihr Zweifel am System wecken. Obwohl sie weiter an den Sozialismus glaubt, irritiert sie die Ungerechtigkeit. Gleichzeitig merkt sie, dass es auch Folgen für sie selbst haben kann, Kritik am System zu üben.

Video Karin Bulland: Ich habe eben auf dem Platz, wo ich da saß, Dinge gesehen. Weil einfach soziale Sachen, wo ich sage: Das ist weder sozial noch gerecht. Und andererseits hört man diese Dinge: Frieden und Gerechtigkeit und nur im Sozialismus geht das. Und dann sage ich: „Ja, aber Leute die an Gott glauben – ich glaube das zwar nicht – aber die haben doch auch ihre Würde. Warum dürfen die denn nicht lernen und studieren? Warum dürfen denn die zum Beispiel nicht in die Musikschule? Ich habe so etwas überhaupt nicht verstanden. Und was ich nicht verstanden habe, habe ich gefragt. Und mit jeder Frage wurde das immer kritischer für mich.

„Guck und horch“ hört mit

Berufsverbote waren ein Mittel der SED-Diktatur, um zu verhindern, dass systemkritische Personen wichtige Stellen einnehmen. Doch dadurch konnte man noch nicht verhindern, dass Oppositionelle ihre Meinung öffentlich kundtaten. Dies war oft nur durch weitere Einschüchterungsmaßnahmen möglich, die maßgeblich das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) leitete. Die Stasi als Organ vereinigte mehrere Funktionen in sich. Sie beherbergte mit der Abteilung „Hauptverwaltung Aufklärung“ (HVA) den Auslandsgeheimdienst der DDR, war aber gleichzeitig auch Innengeheimdienst und Ermittlungsbehörde für „politische Straftaten“.

  • Kamera der Stasi

Wichtigster Auftrag der Stasi war die Überwachung, Einschüchterung und Zersetzung von Systemgegnern; beliebtestes Mittel bei diesem Auftrag war die Bespitzelung. Deshalb wurde die Stasi hinter vorgehaltener Hand oft als „Guck und Horch“ bezeichnet. Für die Bespitzelung setzte die Stasi nicht nur auf ihre eigenen hauptamtlichen Mitarbeiter, sondern auch auf geheime Mitarbeiter, sogenannte inoffizielle Mitarbeiter (IM). Diese kamen oft aus dem nahen Umfeld der Betroffenen und wurden von der Stasi direkt für die Bespitzelung ihres Nachbarn, Freund oder Ehepartners angeworben. Für das Funktionieren des Bespitzelungsapparats der Stasi kam den IMs eine große Bedeutung zu.

1988 soll die Stasi über 91.015 hauptamtliche und 189.000 inoffizielle Mitarbeiter beschäftigt haben. Insgesamt schätzt man, dass die Stasi seit Gründung der DDR bis zu ihrem Ende rund 624.000 inoffizielle und 250.000 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigte. Nicht alle inoffiziellen Mitarbeiter verpflichteten sich freiwillig dazu, mit der Stasi zusammenzuarbeiten. Einige wurden mit brisanten Details aus ihrer eigenen Geschichte erpresst und so genötigt, selbst wiederum bei der Bespitzelung anderer zu helfen. Neben der direkten Beschattung setzte das Ministerium für Staatssicherheit auch auf das Abfangen und Lesen der Post sowie das Abhören von Telefonanschluss und Wohnung des Beschatteten.

„Da verkaufst du auch deine Mutter!“

Matthias Storck

Doch wie fühlt es sich an bespitzelt zu werden und nicht zu wissen, wem man noch vertrauen kann? Matthias Storck weiß es. Storck wächst in einer Pfarrerfamilie auf und studiert nach seiner Berufsausbildung zum Buchhändler Theologie in Greifswald. Damit macht er sich potentiell verdächtig, zumal er auch kein Mitglied der FDJ ist. Matthias Storck weiß, dass er sich in Acht nehmen muss mit dem, was er sagt. Doch die Gefahr kommt aus einer Richtung, mit der er nie gerechnet hätte. Ausgerechnet ein befreundeter Pfarrer verrät ihn und seine Verlobte an die Stasi – und zwar einer, in dessen Gemeindehaus sie und andere Jugendliche immer offen diskutieren konnten. Das zu begreifen, fällt Matthias Storck heute noch schwer. Aber noch schwerer ist für ihn, als er nach der Wende erfährt, dass auch sein eigener Vater ein Stasi-Spitzel war.

Als staatskritischer Pfarrer zog sich auch Theo Lehmann den Zorn der Stasi zu. Jahrzehntelang bespitzelte ihn das Ministerium für Staatssicherheit als „feindlich negative Person“ im operativen Vorgang „Spinne“. Inoffizielle Mitarbeiter wurden dazu bis in die engsten Mitarbeiter- und Bekanntenkreise von Lehmann eingeschleust, darunter Pfarrer, Diakone und Kantoren. Sogar zwei seiner besten Freunde haben ihn ausspioniert, doch das erfährt Lehmann erst später.

Einen dieser Freunde lernt er 1963 kennen. Sie verbindet schnell die gemeinsame Leidenschaft für Literatur und Jazz-Musik. „Wir waren Jazz-Sammler. Wenn ich einen politischen Witz gehört habe, war er der erste, dem ich ihn erzählt habe. Und der war der Spitzel. Also ein Mensch, dem ich restlos vertraut habe. Wir haben zusammen Urlaub gemacht, Geburtstag gefeiert. Wir waren echte Freunde.“ Irgendwann wird Lehmanns Freund wegen Besitzes von Jazz-Platten verhaftet und muss für 4 Jahre ins Gefängnis. Dort wird er von der Stasi zum IM umgedreht. Bei seiner Entlassung holt Lehmann ihn aus dem Gefängnis ab und bringt ihn zu seiner Familie. Er berichtet: „Da saßen wir uns gegenüber und seine Mutter stand am Tisch. Und da hat er mir gesagt: ‚Weißt du, um aus dem Stasi-Gefängnis rauszukommen, da verkaufst du auch deine Mutter.‘ Ich habe nicht gewusst, was er mit dem Satz sagen wollte. Wahrscheinlich wollte er mir signalisieren, dass er sich bereits verkauft hat.“

  • Dokumente Lehmann
  • Dokumente Lehmann
  • Dokumente Lehmann
  • Dokumente Lehmann
  • Dokumente Lehmann
  • Dokumente Lehmann

In der Folge verfasst Lehmanns Freund zahllose Berichte über den Theologen und schweigt sogar noch am Totenbett darüber, dass er den engen Freund bespitzelt hat. Nachdem Lehmann dies erfährt, dauert es Jahre, bis er mit der Situation Frieden schließen kann. Bis heute ist er geschockt davon, wie die Stasi so etwas zustande bringen konnte. „Das Teuflische an der ganzen Geschichte war, dass er nichts gegen mich gehabt hat. Der war ein guter Freund bis zuletzt. Das Allergefährlichste an der Stasi war, dass sie es fertig gebracht hat, einen Menschen so zu zerteilen, richtig schizophren zu machen – denn obwohl er mein Freund war, wollte er mich andererseits genau in das Zuchthaus bringen, dem er entronnen war mit seinen blöden Berichten. Das ist nicht zusammen zu kriegen.“

Bespitzelt in Ost und West

  • Horst Weniger heute
  • Horst Weniger Familie
  • Horst Weniger Haus
  • Horst Weniger mit 2 Kindern auf Schulter
  • Horst Weniger mit 3 Kindern

Das hat auch Horst Weniger erlebt. Als Bausoldat verweigert er in den Jahren 1969/1970 bewusst den Dienst an der Waffe. In den darauffolgenden Jahren merkt Weniger immer mehr, dass er die Lügen der DDR-Ideologie nicht mit seinem Glauben als Christ verbinden kann. Immer wenn er die Zeitung aufschlägt, wird er mit den Lügen der SED-Diktatur konfrontiert. Außerdem stört ihn, wie seine Kinder in der Schule zum militärischen Denken erzogen werden. Als 1975 die DDR die Schlussakte von Helsinki unterschreibt, sich aber nicht daran hält, bittet der gläubige Christ Horst Weniger Gott um ein Zeichen, ob er einen Ausreiseantrag stellen soll. Er weiß, was das bedeuten kann: Er und seine Frau könnten ihren Job verlieren oder ins Gefängnis gesperrt werden. Dennoch geht er mutig diesen Schritt. Insgesamt schreibt er über 100 Ausreiseanträge.

  • Horst Weniger
  • Horst Weniger
  • Horst Weniger
  • Horst Weniger
  • Horst Weniger
  • Horst Weniger
  • Horst Weniger
  • Horst Weniger

In der darauffolgenden Zeit verliert seine Frau tatsächlich ihre Arbeitsstelle. Die Kinder werden ausgefragt und immer wieder erhalten er und seine Frau Drohungen, dass man ihnen die Kinder wegnehmen wird, wenn sie diese nicht sozialistisch erziehen. Selbst in der Baptistengemeinde, in die Familie Weniger geht, wird Horst Weniger gezwungen, alle ehrenamtliche Ämter niederzulegen. Dass sie beschattet werden, vermuten die Wenigers zu diesem Zeitpunkt schon längst. Dennoch ist es für Horst Weniger ein Schock, als er eine Wanze in der Wohnung entdeckt:

„Wir saßen abends, haben Fernsehen geguckt und plötzlich kam ein ganz komisches Fiep-Geräusch hinter dem Fernseher hervor. Ich denke: Was ist denn das?, habe den Fernseher ausgemacht und es fiepte weiter und plötzlich schoß es ganz heiß: Waren die etwa in unserer Wohnung und haben die Wohnung verwanzt? 01:13 Und dann bin ich der Sache auf den Grund gegangen und da war in der Steckdose so ne Wanze drin gewesen, wir haben sie aber drin gelassen und da wussten wir: wir sind nicht mehr alleine.“

  • Horst Weniger
  • Horst Weniger

Am 31.März 1981 wird Familie Weniger zum Verhör geladen und den Eltern wird die Ausreise gewährt. Doch es steht auf Messers Schneide, ob auch die drei Töchter ausreisen dürfen. Nach langen Befragungen kann die Familie endlich gemeinsam in den Westen ausreisen. Endlich scheint ein Leben in Freiheit und ohne Beschattung möglich. Doch die Freude über die Ausreise hält nicht lange an, denn schon bald merken die Wenigers, dass sie immer noch beschattet werden. Regelmäßig steht ein Mann vor ihrem Haus und langsam wächst die Erkenntnis, dass die Stasi immer noch da ist. Horst Weniger beschreibt die Situation aus seiner Sicht so: „Ich merkte, hier stimmt irgendwas nicht und dann haben wir das beobachtet. Fast ein Vierteljahr standen fast jeden Tag Personen da und haben uns beobachtet, wie wir das Haus verlassen haben. Da merkten wir, der Arm der DDR-Stasi reicht doch bis hierher in die Bundesrepublik rein und das hat uns sehr erschrocken gemacht.“ Der Schreck darüber und der Stress des jahrelangen Wartens auf die Ausreise führt bei Wenigers Frau zu einem Herzinfarkt, ihn selbst plagen Depressionen und Selbstmordgedanken.

Vergebung trotz Verrat

  • Horst Weniger

Durch ihren Glauben bekommen die Wenigers ihr Leben wieder unter die Füße. Aber der nächste Schock lässt nicht lange auf sich warten. Nach der Wende sehen sie ihre Akten ein und stellen fest, dass sie auch im Westen noch bis 1989 beschattet wurden: „Wir wussten, dass wir ausspioniert worden sind, wir kannten auch einige Leute aus dem Arbeitsumfeld, aber wir wussten nicht, dass die Stasi uns bis zum Fall der Mauer rund um die Uhr beschattet hat. Wir hatten etwa drei Monate, nachdem wir drüben waren, gemerkt, dass die Stasi noch da war, aber dass das bis dahin ging, nicht.“ Wie Matthias Storck mussten auch sie erkennen, dass sie von Freunden und Leitern aus ihrer Baptistengemeinde bespitzelt wurden.

  • Horst Weniger

Dennoch entschließen sich Horst Weniger und seine Frau dazu, diesen Menschen bewusst zu vergeben. Jesus war für Horst Weniger hier ein Vorbild: „Für mich war das eine Wort ganz wichtig, wo Jesus am Kreuz hing und sagte: ‚Vater ich vergebe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.‘ Da war bei mir erst der logische Gedanke: ‚Moment mal, die wussten genau, was sie taten‘, aber da sprach Gott zu mir: ‚Letztendlich wussten sie es nicht, sie haben nicht durchblickt, was sie letztendlich getan haben.‘“ Für Horst Weniger ist damit dieses schmerzhafte Kapitel abgeschlossen. Zwar schmerzt ihn auch heute noch der Verrat, den er durch enge Freunde erlebte. Doch Groll oder Hass auf diese Menschen verspürt er keinen mehr.

Der Meinung wegen hinter Schloss und Riegel

Neben den Berufsverboten und der Bespitzelung verfügte die Stasi über ein allerletztes Druckmittel, um sich staatszersetzende Personen doch noch gefügig zu machen: die Gefangenschaft. Allein die Zahl der politisch Gefangenen in der DDR wird auf insgesamt 200.000 bis 250.000 geschätzt. Knapp 34.000 dieser Häftlinge – unter ihnen beispielsweise Matthias Storck – wurden von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft: ein durchaus profitables Geschäft für den chronisch klammen sozialistischen Staat.

Was man tun musste, um als politisch Gefangener zu gelten, ist schwer umfassend zu beschreiben. Das liegt an den juristischen, politischen, moralischen und ideologischen Dimensionen der DDR. Allgemein bezeichnet der Begriff des politischen Häftlings in der DDR Menschen, die „wegen ihrer Gesinnung und ihrem daraus sich ergebenden Verhalten, wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht oder Klasse oder wegen ihrer politisch oder religiös begründeten Gegnerschaft zum Kommunismus in Haft genommen oder verurteilt wurden.“

Eingesperrt mit 15 Jahren

Zu den strafrechtlich relevanten Tätigkeiten gehörten unter anderem Spionage, Hochverrat, „ungesetzliche Sammlung von Nachrichten“, staatsfeindliche Hetze, Wehrdienstverweigerung und ungesetzlicher Grenzübertritt. Bis 1988 wagten rund 75.000 DDR-Bürger die sog. Republikflucht. Nur jede dritte Flucht war erfolgreich. Wer scheiterte, durfte sich zumindest der Untersuchungshaft sicher sein.

Rainer Wagner gehört zu denen, die es nicht geschafft haben. Mit gerade einmal 15 Jahren wird er aufgrund seiner erfolglosen Flucht eingesperrt – das macht ihn zum jüngsten Strafgefangenen der DDR-Geschichte. „Die ganze Sache konnte überhaupt nicht klappen. Ich wollte die DDR bei Eisenach verlassen, aber ich hatte keine Ahnung, wo die Grenze verläuft.“ Landkarten, auf denen die Sperrzone, Grenze oder Grenzposten eingezeichnet waren, waren in der DDR nicht erhältlich, sie galten als Staatsgeheimnis. So musste sich Rainer Wagner mit seinem Wissen aus Nachrichtensendungen behelfen. Er hatte mitbekommen, dass der Fluss Werra die Grenze zur Bundesrepublik bildet. Sein Plan war, die DDR durch die Werra zu verlassen. „Ich wusste auch, dass fünf Kilometer vor der Grenze das Sperrgebiet begann. Als es dunkel war, habe ich mich am Abend des 2. Januar 1967 zielstrebig auf diesen Fünf-Kilometer-Streifen zubewegt und bin auch reingekommen“, erinnert er sich.

  • Rainer Wagner

Stundenlang irrt er durch das Sperrgebiet. Er hat keine Anhaltspunkte zur Orientierung. „Irgendwann tauchte dann vor mir eine Lichterkette auf. Ich vermutete, das war die Grenzbeleuchtung. Da ging ich stracks darauf zu, bis ich auf einmal den Lauf einer Maschinenpistole im Rücken spürte. Ich habe wahrscheinlich irgendwelche Stolperdrähte berührt, so dass man schon nach mir suchte. Schnell war ich von allen möglichen Grenzsoldaten und Offizieren umgeben und musste das erste Verhör über mich ergehen lassen“, schildert er seinen Fluchtversuch.

„Man fühlte sich wirklich in jeder Hinsicht eingesperrt.“

Wegen „versuchten gewaltsamen Grenzdurchbruchs“ in der DDR bekommt er eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten aufgebrummt. Die erste Nacht im Knast hat sich Rainer Wagner für immer eingeprägt: „Da überkam mich ein Angstzustand, wie ich ihn bisher noch nie erlebt hatte. Ich war einfach nur allein in dieser Zelle, die Klappbetten an der Seite. Das stürzte mit einem Mal gefühlsmäßig auf mich ein. Ich habe einen eisigen Schweißausbruch bekommen. Das war richtig schmerzhaft, wie kleine Nadelstiche. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Das war sicher eine der schwersten Erfahrungen, die ich je gemacht habe.“

Bei einem Besuch der Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen, in der sich die Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit befand, erinnert sich Rainer Wagner. Ein beklemmender Moment:

„So ne Gefängnistür, die hat’s natürlich in sich, die ist stärker als ein Hoftor. Der Lärm beim Aufschluss diente auch dazu, die Gefangenen zu wecken. Interessant ist der Spion, man wurde jede halbe Stunde, mindestens einmal beobachtet, die meisten Wachtmeister schlichen sich leise ran und schauten hier durch. Nachts wurde etwa jede Viertel bis halbe Stunde reingeleuchtet und dann wurde immer das Licht angemacht. Und es wurde darauf geachtet, dass die Gefangenen auf dem Rücken liegen beim Schlafen, das hatte folgenden Grund, dass sie sehen konnten, ob sich der Brustkorb hebt und senkt sie sehen konnten, dass sich niemand etwas angetan hat und es hatte natürlich zur Folge, dass man kaum eine Nacht durchschlafen konnte, wenn alle 15 bis 30 Minuten einmal das Licht anging.“

„Wenn ich hier rauskomme, werde ich Pfarrer.“

Nach einem Jahr und zwei Monaten Haft kommt er frei. Doch schon kurze Zeit später unternimmt er den nächsten Fluchtversuch und wird wieder geschnappt.

Dieser zweite Aufenthalt im Gefängnis setzt Rainer Wagner enorm zu: „In dieser Zeit ist mir klargeworden: Wenn du hier nicht bald rauskommst, hast du hinterher mit Sicherheit irgendeinen Schaden. Da habe ich dann zum ersten Mal gebetet: ,Gott, wenn es dich gibt, dann schenk, dass sich die Tür öffnet. Mach, dass ich hier rauskomme. Wenn du das machst, werde ich entweder Pfarrer oder katholisch.' Und so seltsam das Gebet gewesen ist, Gott hat es erhört. Eine Woche, nachdem ich das gebetet habe, wurde ich entlassen. Und ich bin nie dahintergekommen, was der äußere Anlass war.“

Rainer Wagner wird tatsächlich Pfarrer – allerdings aus Überzeugung und nicht nur, weil er Gott dieses Versprechen gegeben hat. Der Gefängnisaufenthalt hat sich nicht nur tief in sein Gedächtnis eingebrannt. Auch gesundheitlich wirkt der Aufenthalt noch nach. Er leidet unter Asthma und Neurodermitis. Trotzdem blickt er ohne Verbitterung zurück auf seine Zeit im Gefängnis: „Die Bibel sagt mal, dass denen, die Gott dienen, alle Dinge zum Besten dienen müssen. Das ist auch dort geschehen. Im Alten Testament sagt Josef sinngemäß: „Menschen gedachten es böse, Gott aber gedachte es gut zu machen.“ Letztlich war es eine Hilfe auf dem Weg zu Jesus. Was es allerdings nicht kleiner macht, dass ich es für ein Verbrechen halte, dass die Kommunisten 15- und 16-Jährige als politische Häftlinge eingesperrt haben.“

Aus diesem Grund engagiert Rainer Wagner sich heute aktiv in DDR-Opferverbänden. Denn das Unrecht zu vergeben heißt für ihn nicht, es zu vergessen. Für sein Engagement hat er 2004 das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten.

Vom Pfarrer in den Knast geschickt

  • Matthias Storck Fahndungsfoto
  • Matthias Storck in Greifswald
  • Fandungsfoto Christine Storck
  • Studentenausweis Christine Storck

Auch Matthias Storck und seine Verlobte landen im Gefängnis. Verantwortlich dafür ist ein befreundeter Pfarrer. Er übergibt Storck und seiner Verlobten einen Zettel. Darauf steht ein Ort und eine Zeit für eine mögliche Flucht in den Westen. Dabei will Matthias Storck gar nicht in den Westen. Wenige Tage später, am 2. Oktober 1979, werden er und seine Verlobte Christine in Greifswald verhaftet, wie räudige Hunde von der Straße gezerrt und nach Berlin ins Stasi-Gefängnis gebracht.

Es folgen zehn Monate Untersuchungshaft. Zehn Monate Verhöre. Zehn Monate Entwürdigung pur. Im Stasi-Gefängnis ist er nur noch „28-Links“. Die Zeit im Gefängnis ist für ihn Qual und Tortur. Aus heutiger Sicht durchschaut er die psychologischen Tricks. Damals war ihm das nicht klar: „Wenn man als Häftling seinen Ring ablegen muss, ist man zwar immer noch verheiratet, aber man vergisst das. Und wenn man seine Uhr ablegen muss, ist acht Uhr zwar immer noch acht Uhr oder zehn Uhr zehn Uhr. Aber das vergisst man eben auch. Darum sind die Tage anders gestaltet. Man hat auch keine innere Uhr. Das ist alles Quatsch! Das funktioniert nicht. Man lebt eben ohne Zeit und schlägt die Zeit tot.“

Matthias Storck
Matthias Storck

Nach der schier endlosen Zeit im Stasi-Knast erfolgt der Prozess gegen ihn und seine Verlobte. Ein Schauprozess ohne Zuschauer. Dann die Verurteilung: Zwei Jahre und acht Monate wegen „landesverräterischer Agententätigkeit und Fluchtversuch“. Matthias Storck kommt nach Cottbus. Hier geht die Entwürdigung weiter. Die Häftlinge in der DDR ‒ erst recht die politischen ‒ sind der Willkür ihrer Bewacher vollkommen ausgeliefert. Rechte haben sie nicht. Matthias Storck wird geschlagen und kommt in Einzelhaft.

„Das Bedrohliche war: Dieser Arrestkäfig war wirklich etwas ganz Furchtbares. Sie müssen sich so einen Käfig vorstellen, 2 Mal 2 Meter, in der Mitte einer Zelle: Sie können nicht ans Fenster und nicht an die Tür. Und in diesem Käfig ist man den ganzen Tag. Und ich glaube, ich wäre verrückt geworden. Und weil ich schon ahnte in der Untersuchungshaft, dass mir so etwas blühen könnte, lernte ich Bibeltexte auswendig, was mir unter die Finger kam. Was ich konnte, lernte ich, und hatte dann am Ende ein Repertoire von auswendig gelernten Texten, die reichten genau 1 Tag. Und das quasselte ich da in diesem Käfig immer vor mich hin, von Faust über Paul Gerhardt über den Prediger Salomo und die Psalmen und dann wieder von vorne. Und so verblödete ich nicht und ging nicht kaputt in diesem schrecklichen Käfig. Eigentlich durfte man nur 21 Tage darin gehalten werden. Aber dann kam man einen Tag raus und wurde einmal eine Runde im Hof rumgeführt, und dann kam man wieder da rein. So haben sie die Häftlinge kaputt gemacht. Also, das war nicht so schlimm, das Gefängnis, sondern es war einfach viel schlimmer, als man es sich vorstellen kann.“

Im Dezember 1980 – kurz vor Weihnachten – erfolgt die überraschende Freilassung. Oder besser gesagt die Abschiebung in den Westen. Matthias Storck, seine Verlobte und 40 weitere politische Häftlinge werden von der Bundesrepublik freigekauft.

Selbst überzeugte Kommunisten werden nach Kritik weggesperrt

  • Karin 18 Jahre

Doch nicht nur Regimegegner landen hinter Gittern, auch allzu kritische Parteikader bekommen immer wieder die Härte des Systems zu spüren. Seit sie 14 ist, will Karin Bulland ihr Leben für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Der Weg dahin führt für sie nur über den Kommunismus. Mit 18 tritt sie in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) ein und begeistert ab da die Jugend der DDR für die Politik des Regimes. Mit der gleichen Überzeugung macht sie den Mund auf, wenn sie Ungerechtigkeiten wahrnimmt.

Sie äußert offen Kritik. Allerdings nur am Verhalten einzelner Funktionäre, nie an der Ideologie an sich. Doch das Regime reagiert empfindlich. Immer häufiger sagt man ihr, was mit ihr falsch ist. Bulland erinnert sich: „Das ist ja das Diktatorische: Wir diktieren dir, was du denkst und fühlst und sagst. Es war gang und gäbe zu sagen: ‚Genossin, deine Meinung ist falsch.‘ Aber wenn ich meine Meinung sage, dann sage ich, was ich erfahren habe. Ob ich das gut oder schlecht finde und was ich für Gefühle habe. Das zusammen ergibt meine Meinung. Wenn man mir dann sagt, das ist falsch – meine Meinung – dann sagt man mir: ,Du denkst falsch, du fühlst falsch.‘“

Eines Tages passiert, womit sie nie gerechnet hätte: Ein Unbekannter kommt in ihr Büro. Es folgen Zwangsjacke, Betäubungsspritze und Abtransport in die Psychiatrie. Ein medizinischer Befund liegt nicht vor. Sie ist ein „politischer Patient“. Vom Ehemann wird sie zwangsweise geschieden. Ihrem Kind sagt man: „Deine Eltern wollen dich nicht mehr“, und steckt es ins Heim.

  • Karin nach Folter 1990

In der Psychiatrie wird Karin Bulland mit Elektroschocks „behandelt“, bis ihr Körper kollabiert. Die Schmerzen sind höllisch. Dazu bekommt sie Medikamente gegen Epilepsie, obwohl sie nie Epilepsie hatte. Viele Monate dauert die Tortur. Jahre später wird sie herausfinden, dass der eigentliche Plan war, sie zu töten. Auf ihrer Krankenakte lässt sich folgender Stempel finden: „Rückkehr unerwünscht“ – ganz wie im Dritten Reich. 1988 wird Karin Bulland aus der Psychiatrie entlassen. Körperlich und psychisch ist sie ein Wrack. Sie sitzt im Rollstuhl, hat einen gelähmten Arm und kann weder lesen noch schreiben. Umso verblüffender ‒ sie ist noch immer überzeugt, dass der Kommunismus der Weg zu Gerechtigkeit und Frieden ist. Nur die Menschen müssten andere sein.

Kirche in der DDR

Staat gegen Kirche

Die Kirche hatte in der DDR einen schweren Stand. Das atheistische Regime versuchte, die Christen mundtot zu machen.

  • Theo Lehmann

Jeder, der zwischen 1949 und 1990 sein Missfallen gegenüber der DDR deutlich macht, muss mit teils unmenschlicher Bestrafung rechnen. Im Kampf gegen die Klassenfeinde achten die SED-Diktatoren weder auf Alter, Geschlecht noch auf soziale Schicht oder Religionszugehörigkeit. Dennoch bekommen besonders die Christen den Unmut der Staatsführung zu spüren. Denn die Kirche gilt dem Regime als Hort der Andersdenkenden, Kritiker und Zweifler. Damit steht sie dem gewünschten Bild des staatstreuen Bürgers im Weg.

  • Lehmann auf Kanzel
  • volle Kirche
  • voller Jugendgottesdienst

Theo Lehmann ist einer der beliebtesten und bekanntesten Pfarrer der DDR. Seine Gottesdienste in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) locken tausende junge Menschen aus der ganzen DDR an. Immer wieder geraten er und der Staat aneinander. „Die Lehre des Sozialismus war ja: Die Kirche stirbt aus. Jetzt stellte sich auf einmal heraus, dass in Karl-Marx-Stadt ein Pfarrer wohnt, in dessen Gottesdienste die Leute zu Tausenden in die Kirche strömen. Es spielte sich in der Wirklichkeit das Gegenteil von dem ab, was der Staat proklamiert hat. Die Kirche starb nicht aus. Da musste es zu einer Konfrontation kommen“, beschreibt er seine Sicht der Dinge.

Die Indoktrinierung beginnt schon in der Schule

Theo Lehmann ist überzeugt, dass sich mit der Kirche und dem DDR-Sozialismus zwei totalitäre Ansprüche gegenüberstehen. „Auf der einen Seite war die Ideologie des Sozialismus, die den Menschen ganz wollte. Das Mitmachen alleine genügte ja nicht. Die wollten die Herzen der Menschen. Auf der anderen Seite trat ich vor die jungen Leute und sagte: ‚Gott will dich ganz.‘ Da musste es zum Krach kommen. Das war für mich logisch. Ich habe mit allem, was dann kam, auch gerechnet. Ich habe mal einen Satz gelesen: ‚Ein Prediger muss bereit sein, für das, was er gerade gesagt hat, sofort aufs Schafott zu gehen.‘ Das habe ich mir zu eigen gemacht“, erzählt Lehmann.

Caritas Führer

So ist es aus Sicht des Staates nur folgerichtig, dass die Benachteiligung und politische Umerziehung schon in der Schule beginnt. Caritas Führer erlebt als Pfarrerskind in der DDR, wie stark der Kommunismus als Überzeugung bereits in den Schulen propagiert wird. Die Organisation der Jungpioniere erlebt sie als Versuch, bereits die Kinder gegen den christlichen Glauben und zum Atheismus zu erziehen:

Die Pionierorganisation hatte eindeutig das Ziel, Kinder unter anderem auch zum Atheismus zu erziehen, auch zur Abwendung von religiösen Inhalten, zur Abwendung von der Kirche und das war völlig klar, dass als Pfarrersfamilie Eltern sowas nicht mit ihren Kindern solche Ziele nicht verfolgen konnten und wollten. Ich war das fünfte Kind in meiner Familie und ich hatte es schon bei meinen älteren Geschwistern erlebt, dass sie nicht zu den Pionieren gehörten und daher stand schon an meinem ersten Schultag fest, dass das auch bei mir so sein würde.“

Die Staatssicherheit hat alle Predigten aufgenommen und katalogisiert

  • Stasi-Akte Theo Lehmann
  • Stasi-Akte Theo Lehmann
  • Stasi-Akte Theo Lehmann
  • Stasi-Akte Theo Lehmann
  • Stasi-Akte Theo Lehmann
  • Stasi-Akte Theo Lehmann

Pfarrer Theo Lehmann begehrt gegen diese ideologische Erziehung auf. Gezielt bezieht er in seinen Predigten politisch Stellung – obwohl die Stasi Mitarbeiter in den Gottesdienst entsendet. Als er später seine Stasi-Akten einsieht, findet er heraus, dass jede Predigt aufgenommen und sogar katalogisiert wurde. Bei seinen Predigten wandelt er auf einem schmalen Grat. Er versucht, die Wahrheit zu sagen, ohne sich angreifbar zu machen. Ein Beispiel:

"Ich habe gepredigt, zum Beispiel mal über den guten Hirten. Johannes 10. Der gute Hirte mit den Schäflein. Der Herr Jesus. So eine richtige Kindergottesdienstgeschichte. Aber ich sage ihnen: Da hat die Luft gebrannt, als ich da gepredigt habe. Und wenn sie das heute lesen, merken sie das gar nicht. Da ist jedes Wort eine Unverschämtheit. Ich habe folgendes gemacht. Was weiß man über die Hirten? Na was hat der? Eben einen Stab in der Hand. Einen Schäferhund dabei. Und jetzt habe ich über die Rolle des Schäferhundes geredet. Was macht der Schäferhund? Sobald ein Schaf ein bissel was Grünes sieht, wird gekläfft. Eingegrenzt, zurückgewiesen. Wissen sie: Ich habe die Rolle der Stasi beschrieben, aber habe von Schäferhunden geredet. Jeder wusste natürlich, wovon ich rede. Aber es war ja nicht angreifbar. So und dann habe ich gesagt: „So, und jetzt will ich euch mal zeigen, was in der Bibel drinne steht. Bei Jesus ist nirgends die Rede von einem Schäferhund. Der hatte keinen. Nämlich weil bei Jesus Freiheit ist. Der regiert mit der Liebe, mit Freiheit. Der braucht weder einen Knüppel noch eine Gewalt."

Günter Neumann hat als Jugendleiter in seiner Kirchengemeinde ähnliche Erfahrungen gemacht. In einer seiner Jugendgruppen hat die Stasi bewusst versucht, die Inhalte der Jugendstunden herauszufinden. „Im Jugendkreis ist einmal ein Mädchen auf mich zugekommen und hat gesagt, sie hat in ihrem Leben Fehler gemacht. Sie sollte berichten, was ich in meinen Jugendstunden sage und was sonst im Jugendkreis passiert. Das hat sie aber nicht gemacht“, erzählt er.

Selbst in der Kirche wusste man nicht, wem man noch vertrauen kann

  • Theo Lehmann

Günter Neumann hat sich davon allerdings nicht irritieren lassen. Er beschreibt seine eigene Haltung zur damaligen Zeit als „offen und ehrlich“ und bemerkt: „Wir haben einfach versucht, aus dem Leben in der DDR auch im Blick auf unser Christsein das Beste zu machen. Das beinhaltet auch, in die Öffentlichkeit hineinzuwirken, obwohl es immer wieder Grenzen gab und wir zurückrudern mussten.“ Er erinnert sich an einen Fall, in dem man an ihn herangetreten war, weil Jugendliche aus seiner Gruppe zu einer Veranstaltung auf der Straße eingeladen haben. Die Information habe er wie von höherer Stelle gewünscht an die Jugendlichen weitergegeben, allerdings ohne sie dazu aufzufordern, dieses Verbot auch wirklich einzuhalten.

Für Pfarrer Theo Lehmann war die Bespitzelung der Gottesdienste nur eines von vielen Problemen. Viel gravierendere Auswirkungen auf das Gemeindeleben hatte die Ungewissheit, wer im persönlichen Bereich ein Spitzel sein könnte. Theo Lehmann schildert, wie er damit umgegangen ist:

„Für uns war das Problem: Wie weit kann man sich in einer Gruppe noch öffnen, wenn man denkt, dass da Spitzel dabei sind? Die Stasi hat Leute in meinen Erwachsenenkonfirmationsunterricht geschickt, die so tun mussten, als ob sie sich konfirmieren lassen wollen. Nur um uns auszuhorchen. Das ist natürlich furchtbar unangenehm gewesen. Ich habe mich immer bemüht, den Menschen mit möglichst viel Vertrauen zu begegnen. Aber um überleben zu können, durfte man nicht ganz offen sein. Das war eine Gratwanderung.“

Sogar Pfarrer wurden inoffizielle Mitarbeiter der Stasi

Diesen Balanceakt hat Theo Lehmann bis zum Ende der DDR erfolgreich absolviert. „Man musste einen Weg finden, die Wahrheit zu sagen, aber ohne die so zu sagen, dass man greifbar war. Und das war der Schmerz der Stasi. Die haben in ihren Akten geschrieben: ‚Der Lehmann bewegt sich immer unterhalb der strafrechtlichen Relevanz.‘ Das Ziel war, mich wegen staatsfeindlicher Hetze ins Zuchthaus zu bringen. Und die haben ihr Ziel nicht erreicht, weil man mir keinen Satz nachweisen konnte.“ Im Mai 2003 wurde Theo Lehmann für seine oppositionelle Haltung in der DDR von Landtagspräsident Erich Ittgen die sächsische Verfassungsmedaille verliehen.

Pfarrer und ihre Familien waren in der DDR insgesamt eher unangepasst. In Pfarrershaushalten wurde häufig offen und ungeschönt geredet und diskutiert. Das machte die Betroffenen aber gleichzeitig zu einer besonderen Zielscheibe für die Staatssicherheit. Selbst Pfarrer wurden zu gefürchteten inoffiziellen Mitarbeitern. Matthias Storck hat den Verrat durch einen Pfarrer am eigenen Leib erfahren. Den bei allen Jugendlichen beliebten Pfarrer betrachtete Matthias Storck sogar als seinen Freund. Dass die Kirche zum Teil bis in höchste Kreise mit Stasi-Spitzeln durchsetzt war, macht Matthias Storck noch heute fassungslos:

Matthias Storck

"Ich habe damals nicht geglaubt, dass das geht. Dass man als Pfarrer in einem totalitären System, in dem man Gottesdienste feiert, den Menschen Abendmahl austeilt, den Kindern Konfirmandenunterricht erteilt und die Trauernden begleitet beim Abschied von Menschen – dass man da ein Stasi-Mann sein kann. So naiv und blöde war ich, dass ich dachte, das geht nicht. Und als ich dann merkte es geht doch und zwar ziemlich häufig und es wurden ja immer mehr, die sich da zeigten, da war ich erschüttert und entsetzt. Wie kann man denn das machen? Wie gesagt: Ich kann es auch bis heute nicht nachvollziehen und bin mir schon bewusst darüber, dass das nur einen einzigen Grund hat, warum ich das nicht nachvollziehen kann. Ich wurde einfach nie so erpresst. Ich war nie – glücklicherweise und Gott sei Dank aus lauter Gnade – nie in der Lage, dass mich jemand vor eine Wahl gestellt hat, wo ich den Verrat hätte wählen müssen. Und ich denke in jeder Diktatur, die sich auch nur in Ansätzen so verhält wie die, die wir hinter uns haben, kommen Menschen in die Lage, wo sie sich dessen nicht erwehren können. Und dass der liebe Gott mich davor bewahrt hat, dafür kann ich nicht dankbar genug sein. Und darum möchte ich so viel dafür tun, dass andere Menschen davor bewahrt werden, in solche Situationen zu kommen, wo sie es müssen."

Angesichts der Tatsache, dass man sogar von engen Bezugspersonen wie Pastoren oder besten Freunden bespitzelt wurde, ist es nicht verwunderlich, dass der Widerstand gegen das Regime in der Bevölkerung vor 1989 immer stärker wuchs. Gerade die Kirchen als einer der wenigen Orte, in denen man überhaupt seine Meinung äußern konnte, nahmen beim friedlichen Aufstand gegen Ungerechtigkeit und Staatswillkür eine zentrale Rolle ein. Die zentrale Forderung der Kirchenleute lautete dabei aber stets: „Keine Gewalt!“

Mauerfall

Wir sind das Volk

1989 erreicht der Unmut der DDR-Bevölkerung eine neue Dimension. Aus Protest gegen die SED-Herrschaft gehen die Bürger auf die Straße – mit Kerzen und Gebeten.

Fast 41 Jahre existiert die Deutsche Demokratische Republik. Mit den Jahren macht sich bei vielen DDR-Bürgern Resignation breit. Wie soll man das mächtige Unrechtssystem nur stürzen können? Die SED-Diktatur scheint in allen Bereichen am längeren Hebel zu sitzen. Wer sich kritisch äußert, muss mit Verhaftung rechnen. Doch dann ein Hoffnungsschimmer: In Ungarn öffnet sich am 27. Juni 1989 die Grenze zu Österreich. Der Eiserne Vorhang beginnt zu bröckeln. Immer mehr DDR-Bürger reisen über Ungarn und Österreich nach Westdeutschland aus.

Aber das ist längst nicht alles. Es entsteht eine Protestbewegung im Land, die immer lauter die Grenzöffnung verlangt. Ab dem 4. September finden in Leipzig die Montagsdemonstrationen statt, an denen sich immer mehr DDR-Bürger beteiligen. Auch in anderen Städten finden im Herbst 1989 immer mehr Demonstrationen gegen die SED-Diktatur statt. Doch wie kam es dazu?

Kerzen und Gebete

Eine entscheidende Rolle bei dieser Entwicklung kam dem Leipziger Pfarrer Christian Führer zu. Führer selbst sagt rückblickend dazu: „Wir haben nicht vorgehabt, die DDR abzuschaffen, wir hatten auch nicht vor, eine Revolution anzuzetteln.“ Dennoch waren die von ihm initiierten wöchentlichen Friedensgebete ein entscheidender Wegstein der friedlichen Revolution von 1989.

Christian Führer

Christian Führer stammt aus einer Pfarrersfamilie und ist ab 1980 als Gemeindepfarrer in der Leipziger Nikolaikirche angestellt. 1982 startet er die Friedensgebete, aus denen heraus sich Jahre später die Montagsdemonstrationen entwickeln. Am ersten Abend allerdings ist Führer noch unentschlossen, ob er die Veranstaltung überhaupt fortführen soll, denn es kommen nur sechs Leute. Noch bis zuletzt erinnert sich Führer daran, was ihn dazu bewegte trotzdem weiterzumachen:

„Da waren wir nur sechs Leute … (der Superintendent) lasen Psalmen, ich war auch dabei. Wir zwei Profis abgezogen waren es ganze vier aufrechte Christenmenschen. Und dann sagte hinterher jemand von den Teilnehmern: „Herr Pfarrer, Sie lassen doch nicht etwa die Friedensgebete eingehen.“ Wahrscheinlich sah ich nicht so sehr glaubensfroh aus, jedenfalls sage ich: Wieso?“, sagt die: „Wenn wir aufhören, gibt es keine Hoffnung mehr im Lande. Alles abgeknickt, nur noch Resignation und Hoffnungslosigkeit. Und da habe ich gemerkt: Wir müssen weitermachen. Als Pfarrer fällt einem dann auch immer ein passendes Bibelwort oder fast immer ein. Jesus hatte mal gesagt: Wo nur zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, bin ich schon unter ihnen. Da waren wir zu sechst ja schon doppelt so viele, also weiter machen.“

Die Friedensgebete wachsen, doch die Mauer erscheint zu dick

Drei Jahre finden die Friedensgebete zwar statt, aber ohne besonderen Zulauf. Als 1987 Ausreisewillige um Gebetsunterstützung bitten, entsteht der Gesprächskreis „Hoffnung für Ausreisewillige“. Damit öffnet sich die Stadtkirche bewusst für politisch Enttäuschte und gerät damit auch in das Visier der Stasi. Auf Pfarrer Christian Führer werden mehrere Personen als IM angesetzt. Er wird angewiesen, die Friedensgebete im Herbst 1989 vorübergehend auszusetzen. Doch Führer signalisiert: Der Termin ist bekannt, die Leute werden auf jeden Fall kommen. Und das tun sie. Am 4. September 1989 findet die erste Montagsdemonstration in Leipzig statt. Pfarrer Führer selbst nimmt an keiner der folgenden Demonstrationen teil, aber er gibt den Protestierenden eine Parole mit auf den Weg: „Keine Gewalt!“

Im darauffolgenden Monat kommen immer mehr Menschen zu den Friedensgebeten und Demonstrationen. Eine von ihnen ist Susanne Chmell. Sie ist Predigertochter. Vorbilder ihres friedlichen Protests sind Sophie Scholl und Martin Luther King. Obwohl auch ihre Eltern systemkritisch eingestellt sind, sind sie zunächst entsetzt und machen sich Sorgen um die Tochter. Doch dann ändert sich ihre Einstellung. Susanne Chmell erinnert sich:

Also ich war damals 15, so im rebellischen Alter. Meine Eltern konnten von Glück reden, dass es andere Dinge gab, gegen die man sich auflehnen konnte, als gegen die Eltern. Und ich habe ältere Freunde gehabt und die waren sozusagen in dieser ganzen Bewegung tätig. Die sind zu diesen Demonstrationen gefahren, die haben Flugzettel gemacht, die haben sie mir gegeben, ich sollte die in der Schule verteilen. Und dann bin ich abends auch mal abgehauen und mitgegangen. Und eines Tages kommt meine Mutter in mein Zimmer rein und erwischt mich dabei, wie ich Plakate male: „Gebt uns die Freiheit!“, „Wir sind das Volk!“, „keine Gewalt!“. Und da tickt die total aus und sagt: „Weisst du nicht, in was für Schwierigkeiten du uns alle bringen kannst! Und dann kam mein Vater, gabs ne große Aussprache. Ja und dann hab ich geheult und hab gesagt: „Aber jeder ist wichtig und jeder muss mitmachen, sonst wird das nix!“ und dann hat mein Vater gesagt: „Irmtrud, sie hat ja auch recht.“ Ja und dann am Ende vom Lied sind meine Eltern mitgegangen. Und dann musste ich aber versprechen, dass ich nur „Keine Gewalt“ hochhebe und dass ich die anderen Plakate an andere Leute verteile. Dann hat meine Mutter auch Kerzen gesammelt und hat die überall verteilt – also dann wurde das ein Familienerlebnis.“

Susanne Chmell ist überzeugt, „dass Gott ein Gott ist, der es liebt, Mauern niederzureißen in unseren Köpfen und in unseren Herzen, und dass es keine Mauer gibt, die zu groß oder zu dick für ihn ist, als dass er sie nicht entfernen könnte.“ Trotzdem, noch im Herbst 1989 scheinen die Mauer und die Kontrolle des Systems unüberwindbar. Das glaubt auch Susannes Mutter. Anfang Oktober ist sie anlässlich einer Familienfeier im Westen. Eine Frau erzählt ihr, dass sie schon seit Jahren für den „Fall der Mauer“ betet. Auf die Frage, wann sie denn nun endlich fallen würde, antwortet die Mutter: „Nie!“ Die Mauer sei zu stark. Das System könne keiner kippen, die Mauer könne nicht fallen!

Ähnlich sieht das auch Pfarrer Matthias Storck, der zu diesem Zeitpunkt schon fast neun Jahre in Westdeutschland lebt. Rückblickend erzählt er: „Wenn es irgendetwas gab, was ich so sicher wusste wie das Amen in der Kirche, dann war es, dass diese Mauer länger hält als ich. Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass zu meinen Lebzeiten dieses schreckliche Gebilde verschwindet und zwar so sang- und klanglos und ohne Blut.“ Er hofft zwar beständig darauf, dass Gott irgendwann einmal der Mauer und dem DDR-Regime ein Ende macht, weiß aber auch, dass dies noch Jahre dauern kann.

Reichen Kerzen gegen Maschinenpistolen?

Auch Christian Führer ist die Macht der SED-Diktatur bewusst. Immer wieder kommt es zu Verhaftungen unter den Demonstranten und immer öfter hat Führer selbst mit Zweifeln zu kämpfen. Er weiß, wenn es hart auf hart kommt, kann ihn die Kirchenführung nicht schützen. Die Zeit vor dem 9. November 1989 ist für ihn von Angst geprägt: „Man weiß nicht, wie es ausgeht. Man kann nicht schlafen und überlegt tausendmal dasselbe, ob man nicht doch noch einen anderen Weg findet“, erzählt er rückblickend. Dennoch bleibt Führer seinem Ruf treu, mit der Nikolaikirche den politisch Unzufriedenen und Ausreisewilligen eine Zuflucht zu bieten.

  • Wehrdienstausweis Frank Vogt

Unter den Volkspolizisten, die die Demonstranten zerschlagen sollen, ist auch Frank Vogt. Der junge Mann leistet gerade seinen Grundwehrdienst bei der Bereitschaftspolizei ab.

Er erinnert sich: „Der Einsatzbefehl lautete in aller Regel, dass wir in die Nähe der Nikolaikirche fahren, dort absteigen und sogenannte Sperrketten bilden.“ Im Vorfeld des 40. Jahrestages der DDR am 7. Oktober verschärft sich die Lage zusehends. Für den Einsatz am 7. Oktober werden 3.000 bewaffnete Kräfte eingeplant. Man fragt bei benachbarten Polizeieinheiten Hilfe an.

  • Leipzig, Montagsdemonstration

Frank Vogt und seine Kameraden werden mit Maschinenpistolen statt mit Gummiknüppeln ausgestattet. Im Zuge dieser Gewaltdemonstrationen wird Frank Vogt nachdenklich: „Die Demonstranten als Staatsfeinde zu bezeichnen war eine offensichtliche Lüge, die bei mir natürlich die Sympathie geweckt hat, gerade für die friedlichen Demonstrationen.“ Er erkennt dahinter eine friedliche „Macht, die nicht zu bremsen war."

Friedliche Demonstranten bezwingen Panzer

Frank Vogt

„Sie berichteten mir sehr emotional aufgeladen: Mensch du, weißt du, was heute passiert ist, das war unbeschreiblich – unbeschreiblich. Wir hatten schon Tränengaspatronen bereit und alles sah danach aus, dass wir jetzt auf Konfrontation gehen und plötzlich kam der Befehl: Zurück auf eine Seitenstraße! Plötzlich war offensichtlich, dass die Macht der Demonstranten stärker war als die Macht, die dagegen ankämpfen wollte. Und das würde ich als großes Wunder bezeichnen!“

Diese bricht sich am 9. Oktober 1989 Bahn. Obwohl Polizisten mit Tränengas, Maschinenpistolen und Panzern bereitstehen, gehen in Leipzig an diesem Montag 70.000 Menschen auf die Straße. Man rechnet mit Ausschreitungen und Gewalt, doch der Schussbefehl wird nicht erteilt. Stattdessen wird der Rückzug angeordnet. Frank Vogt hat zwar an diesem Tag selbst keinen Dienst, erinnert sich aber noch heute an die Berichte seiner Kameraden:

Dieses Erlebnis verändert Frank Vogts Leben radikal. Geprägt durch die Ideologie hat er das DDR-System bis dahin als etwas Gutes angesehen. Doch die Erlebnisse rund um den Mauerfall bringen die Wende. Ihm ist plötzlich klar: Hinter dem friedlichen Ausgang der Montagsdemos kann nur Gott stehen. Auch Pfarrer Führer ist überrascht, dass seine Botschaft von Gewaltlosigkeit auf offene Ohren stieß und die Wende brachte.

Christian Führer

„Diese Leute, die so unchristlich erzogen worden sind, bei den Nazis mit Herrenrassendünkeln und Kriegsvorbereitungen groß geworden sind, bei den Realsozialisten mit Klassenkampf und Feindbild aufgewachsen. Euren Jesus hat’s überhaupt nicht gegeben! Mädchen, Quatsch, sonst… dass die so erzogenen Leute, dass die diese Botschaft der Bergpredigt aufgenommen haben, das kann man eigentlich nicht erklären. Es war aber unsere einzige Chance und ich zitiere gerne dieses Wort von Sindermann, der gesagt hatte: ‚Wir hatten alles geplant, wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete.‘“

Jahre später erhält er für seinen Einsatz für den Frieden das Bundesverdienstkreuz, den Augsburger Friedenspreis und 2014 den Deutschen Nationalpreis. Entgegennehmen konnte Christian Führer diesen Preis nicht mehr. Er starb am 30. Juni 2014 an den Folgen eines starken Lungenleidens. Christian Führer gilt heute noch als wichtiger Wegbereiter des Mauerfalls.

Die Mauer fällt

Doch wie geht es im Herbst 1989 weiter? Auch wenn die Volkspolizei am 9. Oktober vor den Demonstranten die Waffen streckt, ist noch nichts entschieden. Noch regiert die SED-Diktatur. Stasi und Volkspolizei haben nichts an Macht eingebüßt, auch wenn sie gegen die schiere Masse an Demonstranten nicht ankommen. Wird die SED-Diktatur zum harten Gegenschlag ausholen? Wird es möglich sein, die Wende durchzusetzen?

Der Gegenschlag bleibt aus. Am 18. Oktober 1989 tritt Staats- und Parteichef Erich Honecker zurück, er wird dazu von der SED-Führung – insbesondere Erich Mielke ‒ gezwungen. Dennoch hält der Protest der Bevölkerung weiterhin an. Sie fordern Reisefreiheit. Immer wieder erklingt der Ruf: „Die Mauer muss weg!“ Die DDR-Regierung gibt nach und entlässt am 27. Oktober Republikflüchtige und Demonstranten aus der Haft. Am 3. November gibt der neue Staatschef Egon Krenz in einer Fernseh- und Rundfunkansprache bekannt, dass ein neues Reisegesetz in Kraft treten soll. Einen Tag später wird die direkte Ausreise in den Westen über die Tschechoslowakei gestattet. Innerhalb von zwei Tagen reisen 23.200 DDR-Bürger auf diesem Weg aus. Das weckt bei der DDR-Bevölkerung die Hoffnung, dass auch die direkte Grenze zu Westdeutschland und damit die Mauer fallen wird. Doch unklar bleibt, wie lange das dauern wird.

„Die Mauer ist weg!“

Auch Susanne Chmell beschäftigt diese Frage im Herbst 1989. Sie ahnt: Der Prozess einer Neugestaltung der DDR kann sich weiter hinziehen. Umso überraschter ist sie, als am 9. November die Mauer fällt. Um 18:58 Uhr verkündet das SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz: „Und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen.“ Er weiß zu diesem Zeitpunkt nicht, dass für diese Information noch eine Sperrfrist bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages besteht.

  • Nacht des Mauerfalls

Diese Neuigkeit macht die Runde, Menschenmassen fordern in Ost-Berlin die Öffnung der Grenzübergänge. Schließlich gibt man dem Druck nach und öffnet um 21:20 uhr den Grenzübergang in der Bornholmer Straße. Endlich ist die Grenze offen. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer und erreicht auch Susanne Chmell:

(Ich hab damals gedacht: Naja, vielleicht dauerts jetzt noch 5 Jahre und das wird ne schwere Zeit. Wer hätte gedacht, dass 4 Wochen später die Mauer fällt?)Und das war dann nochmal so ein besonderer Moment. Da waren meine Eltern gerade wieder auf einer Demo. Ich hatte meine Klasse in meinem Zimmer versammelt damals zur Funkbude damals von ERF. Hab mein Zimmer ausgeräumt und hab da alle Leute versammelt und wir haben Funkbude gehört und deshalb war ich an dem Abend nicht mit. Meine Mutter ist bei mir im Zimmer. Auf einmal tuts einen Schrei durch das ganze Haus. Und mein Vater sagt: Die Mauer ist weg! Und dann kommt er und reisst die Tür auf und meine Mutter sagt: Werner, hör sofort auf mit solchen Sachen scherzt man nicht. Und er: Nein, kommt, das müsst ihr euch anschauen, auf dem Fernseher, da sind die Bilder. Und da sind wir alle runter gerannt, saßen im Wohnzimmer und auf einmal war mucksmäuschenstille. Konnten das alles nicht fassen, was wir da gesehen haben. Da standen Leute auf der Mauer. Wir konnten es einfach nicht fassen. Die Tränen flossen. Es war still. Und wir wussten in dem Moment jeder für sich: Das wird unser Leben für immer umkrempeln.“

Ein ganzes Land feiert!

  • The Fall of the Berlin Wall, 1989

Dieser Moment ändert nicht nur Susanne Chmells Leben, sondern ein ganzes Land. Plötzlich scheint die Macht der SED endgültig gebrochen. Aufgrund des Menschenansturms geben die Grenzbeamte um 23.30 Uhr auch die Passkontrollen auf. Allein den Grenzübergang Bornholmer Straße passieren in dieser Nacht zwischen 23:30 und 0:15 Uhr schätzungsweise 20.000 Menschen. Doch der richtige Ansturm setzt erst am nächsten Tag ein, da viele DDR-Bürger die Öffnung der Grenzen in der vorigen Nacht verschlafen haben.

Günter Neumann

So geht es auch Günter Neumann. Vom 9. auf den 10. November 1989 befindet sich der Prediger auf einem Jugendtreffen in Woltersdorf in der Nähe von Berlin. Mitten in der Nacht wird er plötzlich von der Jugendbeauftragten, seiner Sekretärin und einigen anderen geweckt. Er wundert sich sehr. Plötzlich zerdrückt ein Anwesender lautstark eine Coladose und ruft: „Auf, wir müssen nach Westberlin. Die Grenze ist offen. Wir waren drüben!“ Am nächsten Tag reist auch Günter Neumann nach West-Berlin. Noch gut kann er sich an die ausgelassene Stimmung in West-Berlin erinnern:

„Ich bin dann Mittag mit meiner Sekretärin los, Warschauer Straße und dann zu dem Grenzübergang. Und als wir dort hinkamen, sahen wir bloß rechts und links die Fußwege in vielleicht so Fünferreihen Menschen soweit man sehen konnte. Und als wir ankamen, wurde gerade das Tor zur Brücke aufgemacht. Und wie so ein Sog wurden wir da mitreingezogen. Da kamen wir auf der anderen Seite an, da war nur eine Tür geöffnet, da ließ man mal so und so die Leute durch. Und dadurch waren wir dann sehr schnell drüben. […] Ja, und dann war das eine richtige Party in Berlin, muss man sagen.“

„Die persönliche Mauer war die Gehirnwäsche“

Doch nicht alle DDR-Bürger verfolgen den Mauerfall mit so viel Begeisterung wie Günter Neumann und Susanne Chmell. Einige Bürger hegen Zweifel und Sorgen ob der plötzlichen Veränderungen. Wie wird es nun mit der DDR weitergehen? Wird sie noch weiter bestehen? Und wenn nicht, was wird dann aus Ostdeutschland? Solche Fragen beschäftigen auch Karin Bulland. Obwohl ihr durch das DDR-Regime unglaubliches Unrecht geschehen ist, ist sie immer noch von der Idee des Sozialismus überzeugt. Der Mauerfall weckt bei ihr Ängste:

„Das war schlimm. Die Mauer fällt und alle bösen Menschen – die Kapitalisten, Arbeitslose, Obdachlose, Drogenabhängige. Die Sklavenhalter-Kapitalisten – alle kommen und rauben uns die schöne DDR. Das, was mir fast mit meinem Leben ‒ was ich mit aufgebaut habe, meinte ich zumindest, war plötzlich nichts mehr wert. Das war einfach nur Angst. Ich war dann der Meinung: Lasst die alle raus. Alle, die nicht in der DDR sein wollen. Dann bauen wir die Mauer noch höher und die dürfen nie wieder rein. Ich kann mich da nur bei den Menschen entschuldigen, aber so was ist Hirnwäsche. Und ich denke manchmal, man soll mich mal daran erinnern, wie verbissen und verbohrt wir waren. Kein Wunder, dass so viele Menschen darunter gelitten haben.“

Karin Bulland wünscht sich einen Neuanfang der SED, „dass eine neue Partei gegründet wird, die ganz klein – aber ehrlich und aufrichtig – anfängt.“ Doch dazu kommt es nicht. So verabschiedet Karin Bulland sich von der Partei. Obwohl sie im Dezember 1989 gebeten wird, Parteisekretärin zu werden, sagt sie ab. Sie will nicht mehr mit den Parteileuten zusammenarbeiten, die ihr so viel angetan haben. Noch vor dem 3. Oktober 1990, dem Tag der Wiedervereinigung, erklärt sie ihren Austritt aus der Partei. Doch erst viel später werden ihr das Ausmaß der Lügen der SED bewusst, die sie selbst geglaubt und weiterverbreitet hat. Endlich fällt auch die Mauer in ihrem Kopf. Karin Bulland beschreibt dies rückblickend so: „Die persönliche Mauer war eigentlich diese Hirnwäsche: dieses Nicht-Verstehen-Können, dass das tatsächlich Lüge ist, was ich als Kind geglaubt habe.“

Und heute?

Und heute?

Fast 30 Jahre teilte eine Mauer Deutschland in zwei Teile. Die Mauer aus Stahl und Beton ist zwar gefallen, aber der Prozess der Wiedervereinigung dauert bis heute an.

Frank Vogt

Seit 25 Jahren wird Deutschland nicht mehr durch eine Mauer zerteilt. Der Fall der Mauer wirkt in vielen Menschen immer noch nach. Frank Vogt lebte damals in der DDR. Ihn bewegt es noch heute, dass Gott eine so friedliche Wende geschenkt hat – ohne jedes Blutvergießen. Er glaubt, dass Gott hier spürbar eingegriffen hat. Das lässt ihn nicht los. Zehn Jahre nach dem Mauerfall beginnt der ausgebildete Chemielaborant noch einmal eine theologische Ausbildung. Heute ist Frank Vogt Prediger im Sächsischen Gemeinschaftsverband. Für ihn ist die wichtigste Erkenntnis aus dem Mauerfall:

„Das Größte ist für mich überhaupt, was ich aus dieser Geschichte mitnehme, ist, dass es eine friedliche Macht gibt, die größer ist als alle menschliche Gewalt und militärische Gewalt. Ich kann es nur so sagen, dass ich aus der Sicht des Glaubens Gott dahinter sehe.

Die Wiedervereinigung ist noch längst nicht beendet

Die Erinnerung an dieses Wunder – daran, dass Gott etwas Befreiendes getan hat – ist für Frank Vogt selbst heute immer noch wichtig. Nicht anders ist das bei Matthias Storck. Er ist bis heute stolz, dass die Mauer gefallen ist und dass es die ganz normalen Menschen waren, die das diktatorische System der DDR zum Einsturz gebracht haben. Als ehemaliger politischer Häftling und Freigekaufter weiß er insbesondere den Wert der Freiheit zu schätzen.

Deshalb fährt der Pfarrer bis heute jedes Jahr mit seinen Konfirmanden nach Helmstedt, wo einst die Grenze war. Sie sollen nachspüren, wie die Menschen in der DDR gelebt haben und was es bedeutet, in Freiheit leben zu dürfen. Dass in Deutschland nach der Wiedervereinigung nicht alles glatt lief und politische Fehler gemacht wurden, ist Matthias Storck durchaus bewusst. Es schmälert seine Freude über die neu gewonnene Freiheit aber in keiner Weise. „Was daraus geworden ist, was wir daraus machen müssen und wie wir daran arbeiten müssen, da menschelt es eben“, beschreibt er seinen Eindruck.

Die christliche Feindesliebe riss Mauern ein

  • Karin Bulland

Die ehemalige SED-Politikerin Karin Bulland setzt sich nach der Wende bewusst mit ihrer Vergangenheit auseinander. Obwohl sie eigentlich Atheistin ist, hat sie eines Nachts eine Gotteserfahrung und beginnt zu beten. Später erst wird ihr klar, dass der Gott, der ihr begegnet ist, der Gott der Bibel ist. Sie erinnert sich an einen Pastor, der jahrelang ihr Nachbar im Plattenbau war. Was sie nie wusste: Dieser Mann hat 39 Jahre lang für sie gebetet. Als sie ihm von ihrer Lebenswende erzählt, sagt der alte Mann weinend: „Das ist der schönste Tag in meinem Leben. Bitte sag jedem: Wer betet, der siegt.“

Heute ist Karin Bulland diesem Pastor und all den anderen Christen, die zu DDR-Zeiten gebetet haben, zutiefst dankbar. „Wenn ich könnte, würde ich allen Christen aus der DDR von Herzen danken, dass sie ihre Feinde nicht gehasst haben. Wir Kommunisten haben alle gehasst, die den Kommunismus nicht liebten. Aber die Christen haben ihre Feinde gesegnet. Nur dadurch habe ich überlebt“.

„Die Welt beneidet uns um die Wiedervereinigung“

  • Karin Bulland in Indien

Heute reist Karin Bulland durch die ganze Welt ‒ besonders in kommunistische Länder - und erzählt von ihren Erlebnissen. Für sie selbst ist das bis heute ein Wunder. Genauso wie die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands, angestoßen und getragen von Menschen, die friedlich gebetet haben. In anderen Ländern wird sie häufig gefragt, wie es zu der Wiedervereinigung kommen konnte. „Die Menschen in Südkorea wünschen sich, dass wir die Wiedervereinigung exportieren. Wir sind nicht ärmer geworden. Wir hatten keine Wirtschaftskrise. Wir haben ein Gesundheitswesen und ein völlig unterschiedliches Bildungswesen zusammengebracht – und zwei völlig unterschiedliche Kulturen. Und das alles ohne Kriege oder Krisen. Das ist ein Wunder biblischen Ausmaßes. Die Welt staunt, bewundert und beneidet uns darum – und wir Deutschen meckern“, so Karin Bulland.

Dennoch erkennt sie auch, dass noch nicht alles zusammengewachsen ist, „was zusammen gehört“. Zwar haben die ostdeutschen Bundesländer den wirtschaftlichen Rückstand verkürzt, aber noch immer bestehen zwischen Ost- und Westdeutschland Einkommensunterschiede. Die innere Trennung zeigt sich auch auf politischer Ebene. Die SED-Nachfolgepartei „Die Linke“ ist zwar in jedem ostdeutschen Landtag vertreten, im Westen hat sie dieses Ziel aber nur in fünf von elf Landtagen erreicht.

Karin Bulland ist klar, dass beide Seiten dazu beigetragen haben, dass es mit der Wiedervereinigung noch hakt – und teilweise noch immer dazu beitragen. „Die Zeit von der Maueröffnung bis zur Wiedervereinigung ist für mich ein großer, weiter Prozess. Da braucht es viel Vergebung. Auch was die Leute im westlichen Teil 40 Jahre getan haben, wie sie zum Beispiel an ihre Landsleute gedacht haben – das ist nicht ganz ohne Fehler abgelaufen. Irgendwann ist ein Zeitpunkt der Versöhnung nötig, damit man friedlich miteinander leben kann. Wenn man mitbekommt, wie negativ manche Menschen im Westen über uns reden – selbst heute noch ‒ dann sind wir noch nicht ganz versöhnt und wiedervereint“, erzählt sie. Ein Zurück darf und kann es für Karin Bulland aber nicht geben:

Wir wurden in der DDR nicht nur betrogen um Autos oder Reisen in die weite Welt. Sondern auch um geistige Freiheit. Das zu erfahren, dass man sagen kann, was man denkt, das ist eine ganz neue Erfahrung. Und ich denke, das war ein langer Lernprozess, das zu lernen. Sich das auch zu getrauen. In der DDR waren wir wie gut erzogene Kinder. Wer das gemacht hat, was der Staat sagte, dem ging es gut. Die Leute werden auch nicht groß über Probleme reden. Aber wer frei denken wollte, hatte Probleme.

Jammern ist nicht angebracht

  • Matthias Storck

Auch Pfarrer Matthias Storck ist der Meinung, dass bei einigen Menschen die „Mauer in den Köpfen“ noch existiert. Doch auch bei ihm überwiegt die Dankbarkeit. „Da sind wir in ganz Europa wirklich privilegiert, dass wir so freiheitlich leben, wählen und bestimmen dürfen, wer unsere Belange bestimmt. Das halte ich für eins der großen Geschenke“, erzählt er. Deswegen hält er es auch für unangebracht zu jammern. Er sieht gerade seine Nachfolge-Generation auf einem guten Weg: „Vielleicht sehen wir das in 25 Jahren, wo doch die Welt viele bedrohliche Brandherde hat, auch noch mal mit anderen Augen.“

Dennoch stimmt ihn nachdenklich, dass viele Menschen in die alten Verhaltens- und Denkmuster der DDR zurückfallen und dem alten Ostdeutschland nachtrauern. Als jemand, der im Osten aufgewachsen ist, kann er das allerdings gut nachvollziehen: „Wenn jemand 40 Jahre DDR erlebt hat, waren das 40 Jahre seines Lebens. Der kann nicht sagen: ,Es war alles furchtbar.‘ Damit kann man nicht leben. Ich bin im Laufe der Jahre barmherziger geworden im Blick auf diese Nostalgie – vieles muss sich einfach noch auswachsen“, formuliert er seine Gedanken. Trotz allem ist er der festen Überzeugung, dass Deutschland schon sehr stark zusammengewachsen ist.

Erinnerung ist notwendig

Für Caritas Führer war es nach der Wende wichtig, den Menschen, die sie in ihrem beruflichen Werdegang behindert hatten, zu vergeben. Eine Abrechnung mit den Tätern wollte sie nicht. Dennoch hält sie Erinnerung für notwendig:

Caritas Führer

„Wir dürfen das einfach nicht vergessen, wie viele tausende von christlichen Kindern in der DDR gelitten haben, Ähnliches oder noch viel Schlimmeres durchmachen mussten, zerbrochen sind, krank geworden sind, in ihrer Seele geschädigt wurden. […] Ich denke, die Zeit, dass darüber reflektiert wird, dass das aufgearbeitet wird, die ist wahrscheinlich noch nicht da. Es ist einfach noch ein zu kurzer Abstand – zwanzig Jahre. […] Es gibt so viele Themen, die müssen unbedingt noch richtig aufgearbeitet werden – und da brauchen wir Zeit. […] Wir brauchen die Erinnerung, denn wer keine Erinnerung an die Vergangenheit hat, der hat auch keine Zukunft.“

40 Jahre Teilung haben in ganz Deutschland deutliche Spuren hinterlassen. Nicht in allen Bereichen ist die Wiedervereinigung schon vollzogen. In Anbetracht der enormen Belastungen der letzten 25 Jahre – sowohl finanziell und gesellschaftlich als auch ideologisch und politisch – kann man sowohl den Mauerfall als auch die Wiedervereinigung als Erfolg werten. Durch ihre Bereitschaft, aufeinander zuzugehen und einander zu vergeben, hatten und haben die Christen in Ost und West einen maßgeblichen Anteil an dieser Erfolgsgeschichte. Egal, ob in der BRD oder in der DDR – viele Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass ihr Glaube sie frei macht.

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Danksagung

Die Redaktion bedankt sich herzlich bei allen Beteiligten für die engagierte Mitarbeit, insbesondere bei Karin Bulland, Susanne Chmell, Caritas Führer, Christian Führer (Verstorben), Dr. Theo Lehmann, Günter Neumann, Matthias Storck, Frank Vogt, Rainer Wagner und Horst Weniger. Herzlichen Dank, dass Sie uns Ihre Geschichten erzählt und uns Fotos zur Verfügung gestellt haben.

Ein weiterer Dank gilt dem Magazin „Neues Leben“, aus dessen Interview mit Matthias Storck in der Ausgabe 03/2014 (S. 82-89) wir zitieren durften. Darüber hinaus danken wir der Stiftung Berliner Mauer, die uns freundlicherweise einige Bilder zum Mauerbau zur Verfügung gestellt hat.